Nach dem Scheitern – wie weiter?

Sonntagabend. Neben mir ein Zettel mit meiner To-Do-Liste für die kommende Woche. Der unterste Teil ist durchgestrichen: Das Ganze ist mal wieder ausgeufert und ich habe tausend Dinge notiere, die ich zwar gern erledigt hätte, aber dringend sind sie nicht. Aber diesmal habe ich es gemerkt und diszipliniert gekürzt. Der Rest… gar nicht so viel. Elf Punkte. Darunter ein paar Aufwendigere, aber auch zwei Ausflüge, die ich gerne mit den Zwergen machen will. Eine überschaubare Liste. Eine – ich staune selbst – realistische. Und keine Aufgaben für das Label. Vor Jahren habe ich mir mal folgenden Satz notiert:

„Pläne? Ich habe keine, aber ich lese viele Bücher darüber“

Sozusagen ein visionäres Lebensmotto, da wollte ich hin. Jetzt ist es so. Ich betrachte die Liste und muss mich an dieses ungewohnte Gefühl erst gewöhnen. Es ist eine unglaubliche Befreiung, ein großartiges Gefühl, Erleichterung, obwohl mir mein Projekt keine Last war. Da ist jetzt Zeit für die kleinen Projekte mit meinen Kindern, die mir Freude machen (einen Riesentopf Popcorn machen und gemeinsam auffuttern, mit der Großen nähen und stolz zusehen, wie ausdauernd sie dran bleibt und da wir im Süden leben: raus in den Schnee fahren!) – das macht unglaublichen Spaß. Wir bringen nicht nur irgendwie den Tag rum, sondern machen wirklich was Besonderes zusammen.

Aber reicht mir das? Ich hatte immer Ziele und Projekte im Hinterkopf… Habe aber auch vor Jahren schon überlegt, was ich brauche um mit meinem Leben zufrieden zu sein. Davon sind viele Punkte erfüllt, der Alltag mit den Kindern (und ohne Projekte) gibt mir die Möglichkeit, dass was ich tue sehr bewusst zu tun und zu genießen. Und trotzdem fehlt dieser Liste die Zeit für mich. Ich muss sie fest einplanen, einfordern von mir und meiner Familie. Aber das zu spüren ist ja der berühmte erste, wichtige Schritt oder nicht? Und tatsächlich liegt darin ein großer Unterschied zu vorher. Auch da habe ich versucht Zeit für mich oder eben Arbeitszeit einzuplanen. Aber nicht entsprechend meiner Bedürfnisse, sondern meiner Pläne und Ideen – die so leider nicht realisierbar waren. Daraus ist der Druck erwachsen, Stress, Erschöpfung. Traurigkeit und Frustration, dass ich meine Träume einfach nicht umsetzen kann. Auch jetzt nutze ich die Zeit für mich mitunter zum Planen, einfach weil es mir Spaß macht! Und dann ermahne ich mich wieder den Plan zu vergessen, gehen zu lassen. Schwierig. Ich übe noch…

Neben mir liegt auch mein Redaktionsplan. All die Themen und Methoden die ich hier veröffentlichen wollte. Vorstrukturiert. Durchdacht. Und nicht mal ansatzweise abgearbeitet. An der To-Do-Liste sehe ich, dass ich wirklich dabei bin, den Druck rauszunehmen und ich arbeite daran genug Zeit für mich zu fordern. Wenn ich das mit dem „Gründen ohne zu gründen“ schaffen will, muss ich mich jetzt in Vertrauen üben (und generell meine eigenen Ratschläge besser befolgen). Ich vertraue auf meine unternehmerischen Fähigkeiten, meine Freude am Schreiben, auf Authentizität als Strategie, auf meine Erfahrungen, Gedanken und Ideen. Für den Redaktionsplan bedeutet das, dass ich alle gesetzten Daten ignoriere. Stattdessen vertraue ich darauf, dass sich Momente finden werden, in denen ich meiner Freude am Schreiben nachgehen kann. Und vielleicht – wenn ich genug Zeit für mich einfordere und dieser Redaktionsplan wirklich gut ist, wird es irgendwann doch noch was damit – aufgrund der Qualität der Inhalte und meines Bedürfnisses mich durch Texte auszudrücken, mitzuteilen, auszutauschen.

Bei so einem großen Bedarf an positiven Denken, habe ich gleich einen separaten Kalender dafür angefangen. Ich trage nur ein, was ich geschafft habe, keine Pläne. Ich werde darin nur dokumentieren und Erreichtes visualisieren. Sonst nichts. An das Unmögliche glauben und sich über das was da ist zu freuen. Arbeitsachtsam sein. Und hoffnungslos naiv, aber das brauche ich: Vertrauen, Naivität Gutgläubigkeit.  Es erscheint mir wie eine Wanderung. Den geplanten Weg zum Gipfel konnte ich nicht gehen, mein Gepäck war zu schwer. Also suche ich mir andere Wege, gehe in winzigen Etappen weiter: immer nur auf Sicht, nur ein kleines Stück, nur aus Freue am Laufen. Vielleicht komme ich trotzdem auf einem Gipfel an, denn das verrückte an diesem Berg ist, dass es trotz harter Arbeit, vorbereitenden Training und Wanderkarte keine Garantie gibt, dass man den Gipfel erreicht. Ich gehe nicht den geplanten Weg und trotzdem besteht die Hoffnung auf eine tolle Gipfelsicht, ein überraschende Alm mit leckerem Kaiserschmarrn, aufregenden Kletterpfaden – oder was man sich sonst so von einer Wanderung erholt. Unternehmerisches Wandern sozusagen. Klingt doch nach einem gut Neujahrsvorsatz!

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